Zaun streichen
Das Wetter vor, während und direkt nach dem Anstrich
Rahmenbedingungen zum Streichen
Natürlich ist das Wetter ein extrem wichtiger Faktor. Wer glaubt, dass ein Anstrich jederzeit machbar ist, liegt leider falsch. Im Außenbereich streicht man zwischen April und Oktober, also in den wärmeren und trockeneren Monaten des Jahres. Im Prinzip von Ostern bis Oktober "von O bis O", wie man es auch Autoreifen kennt (Sommer/Winter). Viele achten beim Streichen oft nur auf die Temperaturen während des Streichens, was tatsächlich nicht das wichtigste ist.
Wird hingegen von November bis März unter freiem Himmel gestrichen, weil es 10°C und etwas Sonne gibt, sind Probleme in direkter oder etwas später sichtbarer Art vorprogrammiert.
Ein Anstrich benötigt Licht (Tageslicht), Luft (trockene Luft) und Wärme (optimal sind immer 20°C +/- 5°C). Fehlt eines von den dreien, trocknet ein Anstrich wesentlich langsamer, als der Hersteller es angibt.
Die Folgen bei Anstrichen ohne ausreichen Tageslicht, trockener Luft und Wärme:
1.Trocknet eine Farbe langsamer, bleiben u.a. auch Lösemittel wie Wasser länger im frischen Anstrich. Wenn es durch die langsame Trocknung in der Nacht gefriert, wird aus dem Wasser in der Farbe Eis, die Farbe geht Ihnen an der Fassade kaputt.
2.Trocknet eine Farbe langsamer, reagiert die Luftfeuchtigkeit im Außenbereich mit der weichen Farbschicht. Dieses führt oft zur Fleckenbildung. Solche Flecken bleiben dauerhaft und können nur durch einen weiteren Anstrich entfernt werden. Spätestens dann sollte das Wetter passender sein, damit wenigstens der Anstrich rasch aushärtet.
3. Fehlt es an Licht und Wärme, kann der Untergrund (Holz oder Putz) Feuchtigkeit gebunden haben. Wird dann auf die nicht sichtbar feuchte Oberfläche gestrichen, wird das eingelagerte Wasser recht schnell Blasen in den frischen Anstrich bringen. Wenn das Wasser aus dem Untergrund Richtung Wärme entweichen will, sind selbst diffusionsoffene Anstriche im Weg und die Nässe drückt von innen nach außen.
4. Wenn ein Anstrich langsamer trocknet und kein Nachtfrost die Farbe angreift, so finden sich am folgenden Tag Verschmutzungen in der nicht trockenen Oberfläche wieder. Das kann Staub, Laub oder Pollen sein. Fliegen, Mücken und andere Insekten bleiben aber auch daran haften.
5. Ist es regnerisch, nebelig oder allgemein recht feucht in der Luft, nutzt eine Abdeckplane auch nichts. Unter der Plane streichen bedeutet, dass entweder kein Sauerstoff zur Trocknung heran kommt (was ja technisch nicht möglich wäre) oder sonst Feuchtigkeit aus der Luft sich ihren Weg sucht.
Wann streiche ich?
Der Untergrund muss geeignet sein
Egal ob Beton oder Holz:
jeder Untergrund muss quasi bestreichbar sein. Dazu zählen Trockenheit (trockener Beton, trockenes Holz, trockene Oberfläche allgemein), Sauberkeit (Keime, Mikroorganismen, Rost auf Metall oder Schmutz allgemein) und eine griffige Oberfläche.
Nasser Beton sowie feuchtes Holz sollten nie überstrichen werden, ehe die Feuchtigkeit entwichen ist. Das gilt im Besonderen für Holz, wo die Folgen dramatischer sind und der gesamte Anstrich nach gewisser Zeit Blasen bekommen kann.
Streichen Sie daher keine Zaunflächen aus Beton oder Holz in der Zeit von Herbst bis Frühjahr, wo reichlich Feuchtigkeit in den Untergrund eingedrungen sein kann. Mehrere Tage trockenes und auch warmes Wetter ziehen die Nässe wieder heraus und man kann dann so langsam loslegen.
Bei Metallzäunen besteht das Problem nicht so sehr, hier bleibt einzig das Thema "Ist es warm, trocken und hell genug, um zu streichen?"
Streichen Sie möglichst nie sofort neues und zugleich sehr glattes / gehobeltes Holz. Wer heute einen Zaun aufbaut, bekommt zumeist Kiefern-, Fichten-, Lärchen- oder Douglasienholz sowie auch gelegentlich Tropenholz angeboten. Für Zäune gedacht, haben diese Hölzer oft eine extrem glatte Holzoberfläche, die sogar etwas Glanz aufweist. Glanz auf Oberflächen bedeutet grundsätzlich, dass etwas daran abperlt. So perlt am neuen und glänzenden Holz nicht nur der Regen ab sondern auch
- Imprägnierungen (auch die werkseitigen, bitte immer vermeiden)
- Grundierungen (auch die werkseitigen, bitte immer vermeiden)
- Holzöle
- Lasuren
- Farben
Leider werden viele Kunden von Holzzäunen durch Nonsens-Aussagen der Händler dazu gedrängt, sofort etwas auf das neue Holz zu streichen. Dass dieses Unterfangen zu 99% nicht funktioniert, ist immer mehr Menschen bekannt - auch den Händlern dieser Hölzer. Es ist nun mal ein lukratives Geschäft, Ängste vor "Schimmelbildung" zu schüren, um dann überteuerte Flüssigkeiten werkseitig auf das nicht-aufnahmefähige Holz zu sprühen. Oder dachten Sie etwa, dass da jemand in der Holzzaunfabrik von Hand pinselt?
Im Regelfall sind bei neuen und zugleich gehobelten Hölzern für Zäune eher einige Stunden zu erwarten, denn das Holz ist durch die Reibungshitze des Hobels verdichtet und die Poren sind geschlossen.
Wenn die Haut glänzt, weil Sie gerade eingecremt wurde oder man noch Gummihandschuhe trägt, nimmt man ja auch keine Handcreme, weil sie nicht in die Haut einziehen wird.
Wenn ein Zaun aus Holz etwa 1 Jahr ungestrichen im Wetter war, sieht das Holz zumeist etwas heller, evtl. schon ein wenig angegraut aus. Mehr ist aber nicht zu sehen. Wie eine Holzlatte eines Zauns aussehen kann, wenn es ganz frisch verbaut wurde und ein Regentropfen drauf kommt, sehen Sie in diesem Bild: das Wasser perlt ab. Ein Öl wird es vergleichsweise schwer haben, in dieses glatt-gehobelte Holz einzuziehen. Trotzdem wird in Deutschland neues und zugleich gehobeltes Zaunholz oft noch vor der Montage gestrichen. Macht aber gar keinen Sinn...
Vorbereitungen
Was für eine Farbe verwende ich am besten?
OK, an dieser Stelle ist nicht der Farbton gemeint. Wenn der Zaun (neu) gestrichen werden soll, geht es den meisten von uns immer um den Farbton - verständlich. Aus technischer Sicht geht es jedoch zuerst um die Art der Farbe. Beton- oder Holzfarbe? Oder gar eine Lasur?
Bei Betonelementen wird auf Diffusionsfähigkeit geachtet. Entsprechend sind nahezu alle Farben für mineralische Flächen eher matt, denn matt bedeutet, dass Feuchtigkeit nicht abperlt sondern hindurch geht. Bei einem Zaun hat das jedoch Konsequenzen:
Weil Regen und Luftfeuchtigkeit nicht auf matten Anstrichen abperlen, ziehen sie in die Farbschicht sowie in den Beton ein. Das ist erstmal nicht schlimm, weil Beton auch ohne Schutzanstrich gegen Nässe auskommt. Allerdings sind feuchte Oberflächen auch ein Nährboden für Keime, weswegen auf diesen matten Oberflächen sich immer häufiger Grünbeläge durch Chlorophyll anfinden.
Betonfarben können bestimmte Qualitäten besitzen, wodurch Eigenschaften wie langlebig oder selbstreinigend hervor kommen. Man achtet dann bei einem Renovierungsanstrich darauf, was für ein Typ Farbe zuletzt gestrichen wurde und was für ein Typ Farbe darauf funktioniert.
Bei Holzzäunen ist es noch wesentlich komplexer. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Anstrich, auf die man Rücksicht nehmen muss, weil sie schon auf dem Zaun verstrichen sind. Es können Holzöle, Lasuren, Imprägnierer, Grundierer und Farbanstriche unterschiedlichster Art dabei sein. Im Gegensatz zu Beton versucht man bei Holz, jenes nicht feucht werden zu lassen. Aus diesem Grund sind gute Holzfarben nicht diffusionsoffen. Entweder schützt man das Holz vor Feuchtigkeit oder man streicht matt und lebt mit den Konsequenzen.
Betonzaun (mineralische Zaunelemente)
Waschen Sie die Oberflächen, bevor Sie mit einem neuen Anstrich beginnen. Dieses gilt im Besonderen bei älteren Anstrichen, sollte aber auch bei bislang ungestrichenen bzw. ganz neuen Betonelementen durchgeführt werden. Beton enthält Salze, die Feuchtigkeit binden. Wo es feucht wird, finden Keime einen Nährboden. Nur mit Wasser abwaschen oder, schlimmer noch, mit Hochdruck zu Werke gehen, führt dazu, dass diese Mikroorganismen mitunter tiefer in den Beton getrieben werden.
Ungestrichenen Beton sollten Sie zuerst grundieren, was in den meisten Fällen Grundierer auf Basis von Wasserglas sind. Auf bestehenden Anstrichen, die intakt und gesäubert sind, wird nicht grundiert.
Auf Beton wird sparsam gestrichen. Man vermeidet zu viele Schichten, weswegen beim Erstanstrich auf ungestrichenem Beton zwei Schichten Farbe aufgetragen werden. In der Folge sollten Auffrischungen möglichst nur einen Anstrich bekommen. An dieser Stelle entlarvt man die Qualität einer Farbe, wenn ein einmaliger Anstrich keine Deckkraft besitzt. Dann muss leider ein weiterer Anstrich folgen.
Holzzaun
Waschen Sie den Zaun, bevor Sie mit einem neuen Anstrich beginnen. Dieses gilt im Besonderen bei älteren Anstrichen, sollte aber auch bei bislang ungestrichenen bzw. ganz neuen Holzfassaden durchgeführt werden.
Prüfen Sie, in welchem Zustand der Altanstrich ist. Dünne Anstriche, die die Maserung des Holzes sichtbar halten, sind auf Süd- und/oder Westseite mit viel Sonne nach wenigen Monaten bis wenigen Jahren verwittert. Lasuren sind dann sichtbar matt geworden, das Holz verfärbt sich bereits und der Regen perlt nicht mehr ab. Öle hingegen haben oftmals Keime gebunden, Schimmel & Stockflecken können erkennbar werden.
Verwittertes Öl (es dauert bei allen Holzölen tatsächlich nur 4-6 Monate, dann sind geölte Hölzer durch das UV-Licht der Sonne wieder ölfrei) wird mit Fassadenreiniger abgewaschen. Verwitterte Lasur (nach max. 2 Jahren der Fall) muss abgeschliffen werden.' Verwitterte Farbe ist matt, wird aber nur gewaschen, weil Farbe im Gegensatz zu Öl oder Lasur nicht bis auf das Holz abgewittert ist. Wird ein vernünftiger Fassadenreiniger benutzt, braucht man auch nicht anschleifen - eine Unart in Deutschland, intakte Farbe oder intakte Lasur anzuschleifen.
Schleifen Sie bitte nur dann, wenn ein Anstrich defekt ist - verwitterte bzw. abblätternde Lasur oder abblätternde bzw. rissige Farbe. Schleifpapier dient der Zerstörung, intakte Anstriche werden aber nicht zerstört sondern können nach der Säuberung überstrichen werden.
Schleifen Sie auch nur auf glatter Oberfläche. Wenn es z.B. eine sägeraue, splitternde Holzoberfläche ist, wird eine Drahtbürste benutzt. Diese Holzoberflächen lassen sich nicht schleifen. Es wäre auch schade um die gute Struktur.
Was bei Holzfassaden und somit auch gleichbedeutend mit Holzzäunen so wichtig ist und warum es mit einem einfachen Überstreichen nicht getan ist, erklären wir hier etwas detaillierter: Wie streicht man ein Wohn- oder Gartenhaus aus Holz?
Die Technik
Wie kommt der Anstrich auf die Zaunelemente?
Es gibt im Wesentlichen drei Formen:
Pinsel, Rolle oder Sprühsystem.
Wann benutze ich welches dieser drei Werkzeuge?
'Der Pinsel ist der Klassiker, das älteste der drei Werkzeuge. Man kann im Filigranbereich sehr feine Pinselstriche hinbekommen, auf größerer Fläche einen Anstrich sehr gut in den Untergrund einarbeiten und auch bestimmte optische Effekte erzeugen, wenn man z.B. einen zu groben Pinsel benutzt, damit der Anstrich eine Struktur bekommt. Nur Geschwindigkeit ist bei großen Flächen nicht drin, da sind andere Werkzeuge besser.
Die Rolle bzw. Walze ist das gängige Werkzeug geworden, wenn mineralische Oberflächen wie Beton, Putz oder Fliese flächig gestrichen werden sollen. Auch Tapete in Innenräumen wird damit in neue Farbe gekleidet. Der Vorteil der Rolle ist bei großen Flächen die Geschwindigkeit, da man sehr schnell viele qm mit Farbe überrollt bekommt. Nachteile ergeben sich bei Holz (Blasenbildung, mangelhafte Penetration) und kleineren Flächen mit Ecken&Kanten.
Einen Zaun zu rollen ist eher nie empfehlenswert, da es zu viele Schnörkel, Winkel und oft auch Überlappungen gibt.
Das Sprühsystem kann zweierlei sein. Es gibt die einfacheren Niederdruck- bzw. Bechersprühsysteme oder die hochwertigeren Hochdrucksysteme.
Niederdruck bewegt sich um die 10 bar und ist mit einem Becher versehen, der meistens um die 600ml Farbe/Lasur fasst - mal mehr, mal weniger. Diese Systeme finden sich im Baumarkt neben Lasuren oder den recht dünnflüssigen Deckfarben. Diese Systeme sind nicht für Zäune konzipiert, da bis zu 15% Sprühnebelverluste die Reichweite mit einem vollen Becher noch kleiner werden lassen. Diese Geräte sind eher für kleine Objekte gedacht. Und ein Zaun kann viele Zwischenräume haben, wo der Sprühnebel sogar direkt auf die andere Seite durchgeblasen wird.
Hochdrucksprüher (Airless) arbeiten mit ca. 100 bar und fördern die Farbe direkt aus dem Eimer. Wenn Zaunfelder gesprüht werden soll, dann sind es diese Maschinen, die punktueller und ohne messbaren Sprühnebelverlust die Arbeit beschleunigen.
Bei Holzzäunen sind Sprühsysteme erst dann ratsam, wenn sich eine fest Schicht Farbe oder Haftgrund auf dem Holz befindet, die zuvor gepinselt wurden. Holz besprühen ist wie Sonnencreme auf die Haut sprühen - ohne später zu verreiben. Ist aber schon ein fester Film vorhanden, sprüht man einen weiteren Film auf den intakten vorherigen Film.
Muss man abkleben?
Bei Zäunen eher selten. Da wird eher mit Plane oder Pappe die Rückseite des Zauns geschlossen, damit beim Sprühen von Farbe oder Lasur nicht so viel durch die Zwischenräume auf die angrenzenden Flächen verteilt wird.
Wer aus welchen Gründen auch immer abkleben will oder muss:
Manche Klebstoffe in Klebebändern haben einen hohen ph-Wert. Wenn der ph-Wert zu hoch ist, kann das zum Aufweichen (Anlaugen) einer Farbschicht führen. Zieht man den Klebestreifen hinter ab, ist mit Pech die beklebte Farbe/Lasur aufgeweicht und ist danach am Klebeband und nicht mehr auf dem Zaun.
Bei Klebebändern ist es wichtig, sich im Fachgeschäft dazu beraten zu lassen.
Streicht bzw. rollt man vertikal oder horizontal?
Bei einem Zaun sollte man oben beginnen und sich nach unten voran arbeiten. Es spielt dabei keine Rolle, ob es eine senkrechte oder waagerechte Bauweise des Zauns ist. Waagerechte Elemente werden waagerecht gestrichen, senkrechte Elemente von oben nach unten.
Wann wiederholt man einen Renovierungsanstrich?
Auskreiden
Unabhängig von der Art des Zauns, also ob es sich um Holz, Beton oder Metall handelt, wird ein Anstrich möglichst erst dann wieder aufgefrischt, wenn eine Verwitterung eingesetzt hat. Jede Art von Anstrich zerfällt unter UV-Licht und wird porös. Bei Berührung löst sich dann ein wenig von der Farbe, was man auch "auskreiden" nennt.
Durch dieses Auskreiden verliert ein Anstrich zunehmend an Schichtstärke und wird dünner, bis irgendwann der Untergrund sichtbar wird und durchschimmert. Holzlasuren lassen bekanntermaßen den Untergrund dauerhaft erkennbar, weswegen sie auch am ehesten verwittert sind (ca. alle 1-2 Jahre ist eine Lasur im Sonnenlicht zersetzt, kreidet aus, sieht matt aus).
Diese Verwitterungen, die zersetzte Reste des Anstrichs darstellen, werden abgewaschen. Nur bei Lasuren werden sie abgeschliffen, da beim Auskreiden meistens die komplette Lasurschicht futsch ist.
Das besagte Auskreiden ist bei Acrylfarben mitunter nicht zu erkennen, die Fassade sieht lange schön aus und hat einen gleichmäßigen Glanz. Acryl bzw. Acrylate verwittern gröber als Öle oder Harze (das sind die Bindemittel in den Anstrichen) und fallen dadurch herab, wenn das UV-Licht die Oberfläche des Anstrichs angreift. Die Oberfläche reinigt sich dadurch quasi selber, es bildet sich jedoch Mikroplastik aus den angewitterten Acrylanstrichen um das Haus, denn Acryl/Acrylat ist nun mal petrochemischen Ursprungs und ist ein Plastik. Die pflanzlichen Bindemittel wie Öle oder Harze verwittern hingegen feinmehlig, pulverig - wie Kreide. Hier entsteht zwar kein Mikroplastik, jedoch eine sicht- oder spürbare Pulverschicht auf der Oberfläche, die man dann abwäscht, weil sie nicht so leicht von der Fassade herabfällt wie das grobe Mikroplastik der Acrylfarben. Ideal ist hier ein Fassadenreiniger mit höherem ph-Wert, um das 'Pulver' gut abzuwaschen.
Viel nützt nicht viel
Dieser Satz gilt auch für Farbanstriche. Es sollten immer zwei Schichten Farbe auf der Oberfläche sein. Die erste Schicht deckt den Untergrund in seinem bestehenden Farbton ab und verbindet sich auch damit. Die zweite Schicht ist jene, die dem Wetter geopfert wird. Wenn diese Schicht abgewittert und man auf der vorherigen Schicht angelangt ist, wird einmalig eine neue Schicht gestrichen. Oder zwei Schichten, weil der Farbton wechseln soll.
Sicherlich darf man auch nur eine Schicht streichen. Wie wir aber vom Absatz weiter oben gelernt haben, werden anstriche im Sonnenlicht langsam zernagt, werden dünner und verlieren ihre Schichtstärke. Hat man nur einmal auf einem andersfarbigen Untergrund gestrichen, weil es bereits gedeckt hat, wird man vermutlich einige wenige Jahre später den Untergrund partiell durchschimmern sehen. Spätestens dann wird man einen zweiten Anstrich vornehmen.
Geben Sie einem Anstrich immer die Zeit, dass dieser in Ruhe oberflächlich anwittern kann. Streicht man zu schnell eine neue Schicht, wird die Gesamtschicht der Farbe immer dicker und kann Spannungsrisse bekommen, somit auch abblättern. Es ist wie bei Sonnencreme: mehrere Schichten übereinander, die schon gar nicht mehr in die Haut einziehen, wären gleichermaßen verfehlt.
Wieviel Farbe benötige ich für den Zaun?
Berechnung Materialverbrauch
Das ist einfache Mathematik aus der Grundschule und ist leicht zu errechnen. Wir benötigen die folgenden Informationen dazu:
1. Wie viele QM an Fläche sind zu streichen? (muss man vor Ort ausrechnen, macht immer der Maler / die Malerin am Objekt)
2. Ist die zu streichende Oberfläche sehr glatt oder eher sehr rau? (je glatter, desto ergiebiger ist der Anstrich, desto weniger Farbe wird benötigt)
3. Welchen Typ Farbe will ich verwenden? (jede Art von Farbe hat eine Reichweite je Liter und wird vom Hersteller angegeben)
Die Frage könnte auch lauten:
Wie viel Treibstoff oder Strom benötigt mein Auto für die Strecke Flensburg-Freiburg?
Dazu brauche ich die drei Daten
- KM der gesamten Strecke
- Fahrweise (sehr ruhig und gleichmäßig oder eher ruppig/rau)
- welchen Typ Wagen mit seinem vom Hersteller angegebenen Verbrauch
Wie geht es weiter?
Sie haben die QM ausgerechnet. Messen Sie bitte die zu streichenden Flächen aus. Nehmen wir mal an, Sie haben 100qm errechnet, dabei Lücken und Aussparungen im Zaun schon abgezogen.
Nun schauen Sie sich die Oberflächenstruktur des Zauns an. Ist diese sehr glatt und eben (feingeputzt bei Betonzäunen oder Metallflächen oder gehobelt/geschliffen bei Holz) oder eher kratzig, rau bzw. splitternd/ausfasernd (bei Holz möglich)?
Letzter Teil der Aufgabe ist die Auswahl der passenden Farbart. Die von Ihnen ausgewählte Farbart, die z.B. mit den Eigenschaften "sehr langlebig", "verträglich zum Altanstrich" oder "besonders ökologisch" ausgewiesen ist, besitzt eine vom Hersteller angegebene Ergiebigkeit pro Liter, pro Anstrich. Nehmen wir mal an, daß die Farbe 10 qm je Liter je Anstrich auf sehr glatter Oberfläche und 5 qm je Liter je Anstrich auf sehr rauer Oberfläche schafft. Daraus ergibt sich folgende Kalkulation:
glatte Oberfläche
100qm Fläche / 10 Liter Ergiebigkeit pro Liter pro Anstrich = 10 Liter Farbe pro Anstrich
raue Oberfläche
100qm Fläche / 5 Liter Ergiebigkeit pro Liter pro Anstrich = 20 Liter Farbe pro Anstrich
Bitte betrachten Sie die Ergiebigkeiten der Farben immer als Mittelwert. Manche streichen zu dünn oder zu dick, was Abweichungen in der Ergiebigkeit bedeuten kann. Eine "Punktladung" bezüglich der benötigten Farbmenge schafft man selten. Bei mehreren Farbschichten sollte man daher auch immer erst die Menge an Farbe einplanen, die für 1,5 Anstriche genügt. Dann besorgt man sich die kalkulierte Restmenge, sowie man die Ergiebigkeit noch besser für sich selber ermitteln kann.
An dieser Stelle, wo Sie die Menge an Farbe für Ihre Fassade ermittelt haben, kommt erst der Farbton ins Spiel. Hier nochmals das Beispiel mit dem Treibstoffbedarf des Autos:
Sie wollen von Flensburg nach Freiburg fahren und wollen die Treibstoffmenge kalkulieren. Ob Ihr Wagen rot, gelb oder grün ist, spielt hier keine Rolle. Sie würden rechnen:
ruhige und gleichmäßige Fahrweise
ca. 920 km Flensburg-Freiburg * 0,05 Liter Treibstoff je km (wären 5 Liter je 100km) = 46 Liter
rasche und ruppige, unruhige Fahrweise
ca. 920 km Flensburg-Freiburg * 0,1 Liter Treibstoff je km (wären 10 Liter je 100km) = 92 Liter
Und warum gelten Zaunanstriche als mühsam?
Im Gegensatz zu einer Fassade hat ein Zaun viele Winkel, Ecken, Überlappungen und ist zudem häufig durch Pflanzen umsäumt. Wenn ein Anstrich am Zaun defekt ist, kommt man einerseits schwer heran und andererseits ist es sehr aufwendig, dort zu schleifen, weil sich Farbe abgelöst hat oder die Lasur verwittert ist.
Je geringer der Aufwand, desto kurzlebiger der Anstrich.
Diese Binsenweisheit trifft auch bei Außenanstrichen zu. Weil es sich so schön einfach anhört, wird in Deutschland ein Holzzaun oft lasiert. "Weil man dann die Maserung sehen kann", "Weil ich nur einmal streichen brauchte", "Weil in der Lasur schon der Bläueschutz und die Grundierung enthalten war", "Weil...".
Je dünner der Anstrich, desto rascher ist er wieder abgewittert, durch das UV-Licht zersetzt. Dann wird geschliffen, erneut grundiert und 2x lasiert. Oder bei Holzölen eine Tiefenreinigung mit Fassadenreiniger gemacht und erneut geölt.
Bei einem Holzöl wiederkehrend alle 4-6 Monate, bei einer Lasur alle 6-24 Monate.
Bläueschutz ist Kokolores, wir erklären es u.a. hier:
https://schwedischer-farbenhandel.de/Service/Stichwortsuche/#blaeue
Anstriche, die bereits eine Grundierung enthalten, sind auch Blödsinn. Oder haben Sie schon mal Käsescheiben gekauft, die auf der einen Seite bereits gebuttert waren? Wie soll eine Grundierung, die in eine Farbe oder Lasur gemischt wurde, wissen, ob sie tiefer ins Holz soll oder eher an der Oberfläche bleibt?
Wer sich mit Holz und Farbe im Außenbereich nicht auskennt, fällt auf diesen Baumarktsprech herein.
Hier ein Link zu diesem Thema:
https://journal.schwedischer-farbenhandel.de/3-in-1-anstrich/
Weil Zäune so fummelig verwinkelt sein können und nach geraumer Zeit auch durch Pflanzen verwuchert werden, ist man in Skandinavien bei deckenden Farben. Die halten selbst an einem Zaun 10 bis 15 Jahre durch und müssen bei richtiger Grundierung auch nicht geschliffen werden. Deswegen ist der anfängliche Mehraufwand die Belohnung nach hinten heraus.
Noch Fragen?
Beratung bei der Produktauswahl
Wie Sie bis hier sicherlich bemerkt haben, wurde kein einziges unserer Produkte in dieser Rubrik hervor gehoben. Wie auch, denn weder wissen wir, was Ihnen als Anstrichtyp vorschwebt, noch wissen wir, welcher Typ Farbe sich mit Ihrem Untergrund verträgt.
Unseriös wird es immer dann, wenn Produkte hervorgehoben werden, die alles können. Unseriös wird es auch dann, wenn geringer Arbeitsaufwand versprochen wird. Slogans wie
- "muss nicht geschliffen werden"
- "funktioniert ohne Grundierung"
- "Grundierung ist bereits enthalten"
- "Wasserbasierend und somit für Kinderspielzeug"
- "ein Anstrich genügt"
- "sehr hohe Ergiebigkeit"
- "Atmungsaktiv und wasserabweisend" (Achtung: Widerspruch in sich!)
triggern viele Hobbyhandwerker und Handwerkerinnen.
Scheuen Sie sich nicht, uns per Email ( info@schwedischer-farbenhandel.de ), telefonisch ( +49 (0)40 54 80 12 20) oder auch persönlich zu unseren Öffnungszeiten in Hamburg zu kontaktieren. Wir nutzen keine Callcenter sondern haben fachkompetente Kollegen vor Ort, die Ihre Fragen beantworten können, die hier (noch) nicht beantwortet wurden.