Möbel streichen
Ob neu oder gebraucht:
Möbel streicht man nicht so häufig. Nach vielen Jahren sind Spuren der Nutzung ein gewohntes und liebgewonnenes Bild, welches man nicht einfach verändern mag. Bei neuen Möbeln hat man sich meistens von Anfang an für eine farbliche Optik entschieden. Wenn aber das Alter der Möbel, die Gebrauchsspuren oder im Falle von neuen Möbeln die Optik nicht mehr gefällt oder passt, denkt man über einen Neuanstrich nach.
Möbel zu streichen ist nicht so kompliziert. Dennoch gibt es einiges zu beachten, was wir im folgenden erklären wollen:
Das Wichtigste vorweg
Die am häufigsten gestellte Frage ist die, ob man vorher Schleifen muss.
Klare Antwort: Jein
Schleifpapier wurde um 1850 erfunden und diente damals wie heute dem Zweck, einen defekten Anstrich zu entfernen. Dabei sollte jedem die Frage in den Sinn kommen, was man wohl vor der Erfindung von Schleifpapier gemacht...
So ist es bis heute geblieben, dass man schleift, wenn die alte Lasur oder Farbe kaputt ist, Risse aufweist oder bereits abblättert.
Ist der alte Anstrich jedoch intakt, wird dieser nur kräftig abgewaschen und direkt überstrichen - was für deckende Farbe gilt.
Bei Lasuren kann das Schleifen ein Problem lösen, welches man kennt, wenn man schon mal lasiert hat:
die semi-transparente Lasur nimmt an Deckkraft zu, wenn man diese mehrmals überstreicht. Damit das später nicht immer deckender und ungleichmäßiger aussieht, ist ein Abschleifen von Lasuren in solchen Fällen oft die einzige Lösung - obwohl die Lasur noch überwiegend intakt ist.
Ist der alte Anstrich jedoch intakt und bereits gesäubert, wird direkt eine Farbe oder Lasur darauf gestrichen - ohne das Anschleifen.
Allerdings gibt es Belastungsflächen, die sehr stark benutzt werden. So z.B. eine Sitzfläche, auf der man sich hin- und herbewegt oder eine Tischplatte, auf die auch mal eine Gabel oder ein Messer fällt. Damit der neue Anstrich nicht nur auf der Oberfläche festtrocknet sondern sich damit perfekt verbindet, wird sehr oft mit grobem Schleifpapier (60er oder 80er Körnung bei deckenden Farben) die intakte Altfarbe aufgeraut. Der neue Anstrich bekommt dadurch mehr Griffigkeit, verbindet sich besser.
Bedingungen zum Streichen von Kontaktflächen wie u.a. Möbel
Möbelstücke, zu denen nicht nur Schränke sondern auch Stühle und Tische gehören, haben unterschiedliche Belastungen auszuhalten. Ein Tisch kann Säuren wie Tee, Rotwein, Kaffee oder Ketchup/Tomate abbekommen. Der Anstrich sollte dann auf keinen Fall Acryl oder Acrylat enthalten. Auch die Gleitfähigkeit auf der Tischoberfläche sollte durch einen Anstrich nicht verschlechtert werden. Wenn man den Teller oder Glas weiterhin schieben möchte, ohne dass es abbremst oder gar festklebt (was bei Acrylfarbe passieren kann). Letzteres ist auch auf einer Sitzfläche eines Stuhls unangenehm, wenn hier ein Acryl/Acrylat im Anstrich war.
Dann folgt auch die Überprüfung, womit das Möbelstück zuletzt gestrichen wurde, damit der neue Anstrich auch dazu passt und es keine Unverträglichkeiten gibt. Man sollte auf keinen Fall irgend einen Altanstrich mit irgend einem neuen Anstrich überstreichen. Man achtet immer auf die Bindemittel, die zuletzt in der Lasur oder Farbe waren. Wie man das selber ermitteln kann, wird hier erklärt:
https://schwedischer-farbenhandel.de/Service/Stichwortsuche/#bindemitteltest
Was streiche ich?
Der Untergrund ist von Relevanz
Möbel können aus Holz, Metall, Kunststoff, Verbundstoff oder aus Rattan sowie mit Stoff oder Leder überzogen sein. Farb- bzw. Lasuranstriche können nur auf festen Materialien funktionieren, daher werden Stoffe und Leder hier nicht behandelt.
Bei den übrigen Materialien ist zu schauen, welcher Typ von Anstrich sich mit dem Trägermaterial verträgt.
Ist es nicht das Trägermaterial sondern ein Voranstrich, wird anhand des Bindemitteltests ermittelt, was für Bindemittel im Altanstrich enthalten sind.
Holz ist ein Material, welches eine gewisse Elastizität besitzen kann, je nach Holzart. Sofern noch kein Anstrich auf dem Holz ist, muss der erste Anstrich immer ein wenig ins Holz eingezogen sein. Ist das Holz zu glatt gehobelt und besitzt somit einen leichten Oberflächenglanz, wird kein Anstrich ins Holz einziehen sondern nur auf der Oberfläche antrocknen. Das kann bei Belastungen (z.B. ein Schlag oder ein Kratzer) zur Ablösung führen. In solchen Fällen muss die Holzoberfläche aufgeraut werden, damit eine Farbe oder Grundierung dort einziehen kann.
Metall sowie Kunst- und Verbundstoffe haben keine Offenporigkeit, dort trocknen Anstriche nur auf der Oberfläche und ziehen nicht ein. Metall ist dabei unkritisch, wenn es zuvor entfettet wurde. Dieses Material ist recht hart und hat sehr wenig Elastizität, wodurch an der Oberfläche keine Spannungen entstehen, die eine Farbschicht aufplatzen lassen könnte, weil diese härter ist. Hier kann nur mechanisch eine Beschädigung entstehen - z.B. durch kräftiges kratzen mit einem scharfem Gegenstand. Eine Grundierung auf einfachem Metall kann daher entfallen, wenn dieses fettfrei ist und wissentlich einer höheren Belastungen geringfügig aufgeraut wurde.
Rostfrei sollte das Metall natürlich sein. Entfernen Sie Rost durch schleifen oder durch Rostumwandler wie z.B. unseren RustEater. Bei galvanisierten Metallen wie Zink, Titanzink oder Aluminium ist ein vorheriges Anlaugen wichtig, um evtl. Fette oder Wachse zu entfernen. Danach folgt eine Grundierung wie unser Snickerigrund/Meistergrund.
Kunst- und Verbundstoffe sind eine Kategorie für sich uns nicht so ganz einfach zu streichen. Sehr weiche Kunststoffe wie PVC können mit reiner Leinölfarbe von Allbäck überstrichen werden. Dazu muss, wie auch bei allen anderen Stoffen, die Oberfläche sauber/fettfrei sein. Ein Aufrauen ist empfehlenswert, damit die Farbe eine leichte Griffigkeit erfährt.
Verbundstoffe wie z.B. OSB oder Siebdruckplatten werden ebenfalls entfettet/angelaugt und danach aufgeraut, ehe eine Farbe direkt und ohne Grundierung folgt.
Und welche Farbe nehme ich?
Verschiedene Arten von Farbe - verschiedene Eigenschaften
Für Möbel eignet sich jede Farbe, die auf unserer Internetseite im Menü unter den "Innenfarben" bei den "Möbeln" aufgeführt ist ( https://schwedischer-farbenhandel.de/Innenfarben/Moebel/ ).
Sie finden dort Ölfarben wie die Lackfarbe EFFEKT oder den acrylathaltigen MEISTERLACK sowie die reine LEINÖLFARBE von ALLBÄCK als deckende Farben. Sie finden dort auch die transparenteren Anstriche wie den UNIVERSALLACK SOLO, der ein Klarlack bzw. Bootslack ist und auch pigmentiert zu bekommen ist.
Für die WACHSLASUR als auch alle Öle gilt, dass das Holz eine Saugfähigkeit besitzt, damit diese Anstriche etwas ins Holz einziehen können. Daher ist hier blankes, ungestrichenes bzw. abgeschliffenes Holz gefragt.
Wenn ein Holzöl nicht innerhalb von 30 Minuten ins Holz einziehen konnte, ist etwas in der Holzoberfläche, was das Eindringen des Öls ins Holz blockiert. Das Öl dann bitte abwischen, da es dann ohne Funktion ist.
Ölfarben (EFFEKT und LEINÖLFARBE) sind die ökologischeren, natürlicheren und robusteren Anstriche, die säurebeständig sind, sehr kratzfest und langlebig. Dafür trocknen sie mitunter etwas langsamer.
Acrylfarben gibt es seit den 90er Jahren und sind sehr schnell trocken. Die Oberfläche ist oft etwas gummierend, was bei Kontaktflächen sich nicht so gut anfühlt und an Fenster- und Türrahmen bei gegenüberliegendem Kontakt zum Verkleben der Farbschichten führen kann (nicht beim MEISTERLACK).
Lasuren zeigen noch die Holzmaserung, sowie auch die WACHSLASUR, die wie eine Lasur zu verstehen ist. Holzöle bleiben nicht auf der Oberfläche sondern müssen ins Holz einziehen können. Bleibt ein Holzöl auf der Oberfläche liegen, sollte es wieder abgewischt werden. Eine kleine Ausnahme bietet das LEINÖL EXTRA, welches als Hartöl eine Mischung aus Lasur und Öl ist.
Trocknung und Nutzung
Ab wann ist der Anstrich so durchgetrocknet, dass eine Nutzung der Möbel problemlos möglich ist?
Es kommt auf die Art der Farbe oder Lasur an. Manche Produkte trocknen chemisch, wozu die meisten wasserbasierenden Farben&Lasuren zählen. Es gibt aber auch eine oxidative Trocknung, wie man es von Ölen kennt.
Kunststoffe wie Acryl oder Acrylat sind als Bindemittel in den wasserbasierenden Anstrichen am häufigsten vertreten und werden durch das Entweichen des Wassers fest, was die besagte chemische Trocknung ist. Es bildet sich dann ein zumeist elastischer Plastikfilm. Nagellack ist oft auf Basis von Acryl.
Natürliche Farben, die statt Plastik pflanzliche Öle enthalten, trocknen primär durch den in der Luft zirkulierenden Sauerstoff. Diese Trocknung ist deutlich langsamer als bei den Plastikfarben. Reine LEINÖLFARBE ist die Ur-Farbe für die Behandlung von Metall und Holz und blickt auf viele Jahrhunderte Erfahrung zurück.
Der Test zum Ermitteln, ob der Anstrich durchgehärtet ist
Oberflächlich sind mache Anstrich bereits nach wenigen Minuten anfassbar. Andere sind erst nach 24 Stunden an der Oberfläche Klebfrei.
Streichen Sie auf keinen Fall eine weitere Schicht Farbe, wenn die vorherige Schicht noch nicht durchgetrocknet ist.
An der Oberfläche sorgen Sauerstoff und Licht dafür, dass der Anstrich trocknet. Das Wasser oder der Terpentinersatz entweichen in die Umgebungsluft, der Anstrich wird langsam fest. Auf diese Weise trocknet der Anstrich jedoch noch weiter, langsam von der Oberfläche bis zum Grund runter.
Klebt es nicht mehr an der Oberfläche, kann der Anstrich aber weiter unten noch weich sein und noch das Lösemittel Wasser oder Terpentin enthalten.
Drücken Sie daher zum Testen der Durchtrocknung Ihren Daumen für 3 Sekunden auf den Anstrich und drehen Sie dann den Daumen, während Sie damit weiter drücken.
Dreht sich die Farbe mit, ist sie noch nicht durchgetrocknet. Dreht der Daumen frei, ist die Farbe ausgehärtet und kann ein weiteres mal überstrichen werden oder nun komplette Belastung erfahren.